Standardsoftware vs. Individualentwicklung: Kosten folgen Prozesskomplexität

Standardsoftware vs. Individualentwicklung: Kosten folgen Prozesskomplexität

Vor drei Tagen habe ich einen Kommentar geschrieben, in dem ich die These aufgestellt habe: Individualentwicklungen werden in vielen Fällen Marktanteile von SAP und Co. übernehmen, weil Entwicklung immer effizienter wird und es irgendwann günstiger ist, ein System passend zu den eigenen Abläufen zu bauen, statt ein Standardprodukt teuer an die eigenen Prozesse anzupassen.

Ein Arbeitskollege hat mich dabei auf einen Gedanken gebracht: Der Einkauf von Standardsoftware kann am Ende massiv günstiger sein, wenn er dazu führt, dass die eigenen Prozesse vereinfacht werden.

Gerade im Konzernumfeld ist es manchmal fast ein Sport, die komplexesten Prozesse über eine möglichst große Systemlandschaft abzubilden. Das Ergebnis ist dann oft nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern vor allem teuer. Standardsoftware kann hier einen positiven Zwang erzeugen: Prozesse müssen überdacht, vereinfacht und stärker standardisiert werden, weil die Lösung nicht jede Sonderlocke einfach “mitnimmt”.

Mein Gedanke dazu: Individualentwicklung kann sich weiterhin lohnen, besonders wenn man ansonsten viel Geld in individuelle Anpassungen rund um bspw ein SAP System verbrennt. Gleichzeitig gilt aber auch: Komplexe Prozesse mit vielen Sonderfällen machen Software teuer, egal ob eingekauft oder selbst gebaut.

Wenn der Einkauf einer Standardlösung echten Druck erzeugt, die Prozesskomplexität zu reduzieren, kann Kaufsoftware am Ende günstiger sein, selbst wenn man ein ähnliches Produkt grundsätzlich auch selbst entwickeln könnte. Sobald man jedoch anfängt, die Standardsoftware stark anpassen zu lassen, kippt die Rechnung oft schnell Richtung Eigenentwicklung.

Am Ende läuft es für mich auf eine Kernfrage hinaus: Bekomme ich die Komplexität meiner Prozesse runter, oder gönne ich mir den Luxus, Software mit Mähne an Sonderlocken zu entwickeln oder einzukaufen?

Wie seht ihr das, wann gewinnt Standardsoftware und wann lohnt sich Individualentwicklung wirklich?

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