KI und die Freude am Programmieren

KI und die Freude am Programmieren

In der Retro meinte ein Entwickler, dass ihm durch KI der Spaß am Programmieren verloren geht – das hat mich zum Nachdenken gebracht.

Ich programmiere gerne. Ich mag es, mich in ein Problem hineinzudenken, im Flow zu arbeiten und Ansätze auszuprobieren, bis eine Lösung entsteht, bei der alles zusammenpasst.

Mit Coding-Agenten verändert sich dieser Arbeitsrhythmus. Man gibt eine Aufgabe ab und wartet. Währenddessen beginnt man etwas anderes. Dann ist der Agent fertig und man muss gedanklich wieder zurück. Je mehr Themen parallel laufen, desto mehr Kontextwechsel entstehen.

Was dabei verloren gehen kann, ist das tiefe Eintauchen in ein Problem. Wie aufmerksam prüft man die Ergebnisse noch, wenn ständig das nächste Thema wartet?

Im Internet verbreitet sich unter Entwicklern das Meme vom „Condom between Claude and Prod“: Der Agent liefert Code, und man ist nur noch die Instanz, die verhindert, dass der Code direkt in Produktion landet.

Deshalb frage ich mich: Wie sieht Softwareentwicklung nach 2026 aus?

Ich beobachte verschiedene Ansätze, die ich spannend finde. Eine Entwicklerin beschrieb in einem Social-Media-Video sinngemäß, dass ihr eigene Seiten-Projekte mit KI Spaß machen, ihr im Job dagegen die Freude daran komplett verloren geht. Bei eigenen Projekten kann sie Ideen ausprobieren, die Richtung ändern und selbst gestalten. Im Job kopiert sie fertige Tickets in den Agenten. Von der kreativen Arbeit bleibt für sie wenig übrig.

Das kann ich nachvollziehen. Ein Problem verstehen, Lösungswege ausprobieren und eigene Entscheidungen treffen, macht für mich viel von der Freude am Entwickeln aus. Wenn vor allem Kontrolle und Kontextwechsel bleiben, fehlt etwas, das viele an dieser Arbeit begeistert hat.

Hier finde ich die Idee des Forward Deployed Engineers interessant: näher an den Nutzern arbeiten, ihre Abläufe verstehen und größere fachliche Themen bis zum Ergebnis begleiten. Entwickler gestalten Anforderungen, Lösungsentwurf und Umsetzung mit.

Ein anderer Ansatz sind Software Factories. Agenten könnten Umsetzung, Tests und Reviews in einem zusammenhängenden Ablauf übernehmen. Entwickler würden an klaren Punkten die Richtung bestimmen und Ergebnisse prüfen, statt ständig zwischen Agentensitzungen zu wechseln.

Mehr Verantwortung braucht Veränderungen in der Organisation und ihren Strukturen. Man muss alte Rollen und Prozesse hinterfragen und Zeit für Gespräche und konzentriertes Nachdenken schaffen. Immer mehr parallele Aufgaben könnten diesen Raum wieder aufbrauchen.

Ich habe noch keine fertige Antwort. Gleichzeitig entwickeln sich die Möglichkeiten mit KI gerade rasend schnell weiter. Wir werden unsere Arbeitsweise also immer wieder hinterfragen müssen. Die Frage, was uns an unserer Arbeit Freude macht, gehört für mich dabei genauso dazu wie die mögliche Zeitersparnis.

Welche Ansätze probiert ihr aus? Was hilft euch, mit KI produktiv zu arbeiten und den Spaß an der Entwicklung zu behalten?

Weitere technische Einordnungen

Im Blog finden Sie weitere Praxiserfahrungen aus Projekten.